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In London Boykott, in Hamburg Besuch: The-Fall-Sänger Mark E. Smith kommt zur Ausstellung "3Repetition - Paintwork #3", die sich mit seiner höchst einflussreichen Avantgard-Rockgruppe auseinandersetzt.
Auch Künstler haben ihre Bezugsquellen. Irgendwo muss die Inspiration schließlich herkommen. Die britische Band The Fall ist so gesehen eine besonders stimulierende und ergiebige Quelle. Um sie nämlich dreht sich die Ausstellung "3Repetition - Paintwork #3" in der Galerie Borchardt: Rund zwei Dutzend Künstler, die entweder Plattencover für The Fall gestaltet haben oder ihre Arbeiten eng mit der Musik und Haltung der Gruppe verknüpfen, sind hier vertreten.
Die Idee stammt von Kurator Bert Holterdorf. 2001 besuchte er das erste The-Fall-Konzert seines Lebens - und verliebte sich sofort. "Danach habe ich angefangen, ihre Platten zu sammeln", erinnert er sich. "Als ich alle zusammenhatte, habe ich sie im Fenster meines Ladens ausgestellt. Darauf bekam ich ziemlich gute Reaktionen, unter anderem einen Brief aus Paris von Pascal le Gras." Niemand hat mehr Plattencover für The Fall gestaltet als Pascal le Gras. Es dauerte nicht lange, bis Bert Holterdorf Kontakt zu weiteren Künstlern hergestellt hatte.
Nach vorangegangenen Ausstellungen in Berlin im Jahr 2006 und London in diesem Frühjahr zeigen die Künstler in Hamburg nun neue Werke. Das Sensationelle: The-Fall-Sänger Mark E. Smith, der die Ausstellung in London noch boykottierte, bekennt sich nicht nur dazu, sondern wird selbst anwesend sein. Wieso war er erst dagegen? "Damals waren ein paar Künstler dabei, die nicht hätten dabei sein sollen. Aber viel länger kann ich die Sache wohl nicht ignorieren, oder?", lacht er. "Nein, ich bin wirklich gespannt darauf, die Ausstellung zu sehen."
Zu Recht, schließlich sind von Malerei über Videos, Skulpturen und Performances alle Gattungen der bildenden Kunst dabei: Rik van Iersel aus Eindhoven betitelte viele seiner Gemälde mit Zitaten von The Fall, David Alker und Peter Liddel malten die 20 beliebtesten The-Fall-Cover auf Kekse, und der Grafikdesigner Paul Wilson entwickelte einen eigenen Mark-E.-Smith-Schrift-Font. Claus Castenskiold, der das Cover zu "Perverted By Language" von 1983 gestaltete, bringt neue Werke aus Los Angeles mit, von dem Anti-Folk-Sänger und Zeichner Jeffrey Lewis gibt es den Comic "The Story Of The Fall" zu sehen, und auch Porträtgemälde gehören - zum Ärger von Mark E. Smith - zur Ausstellung.
"Porträts sind furchtbar!", scherzt er. "Ein Künstler hat vor zwei Jahren mal welche von mir in einer Bar in Manchester ausgestellt. Ich sah aus, als wäre ich 95 und aus dem ‚House Of Horror'." Lieber mag Smith da schon die Gemälde von Anthony Frost, der das Cover der letzten The-Fall-Platte "Imperial Wax Solvent" gestaltete.
Vereint in einer Ausstellung sollen all jene Werke die Bedeutung und kompromisslose Haltung von The Fall widerspiegeln. "Mark E. Smith ist der Prototyp eines wahren Künstlers", findet der Kurator der Ausstellung, Bert Holterdorf. "Ihm geht es um Kunst, nicht Prestige oder Geld, und er macht immer etwas Neues. Deswegen können sich so viele Künstler auf ihn beziehen." Und so selbst wieder neue Kunst kreieren.
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