Chaotisch, schön und wild
Istanbul
Istanbul ist ein einziger Widerspruch. Uralt und traditionsversessen, modern und voller junger Menschen. Im Szeneviertel Beyoglu ist das hautnah zu erleben.
Aileen TiedemannAm nächsten Tag auf dem Weg zum Galataturm (Buyuk Hendek Cd.), wird hörbar, welche große Rolle Musik in Beyoglu spielt. Am oberen Ende der Galip Dede Caddesi sind alle Geschäfte randvoll gefüllt mit Gitarren, Keyboards und Trommeln. Nach einer Weile werden sie von Läden voller Staubsaugerschläuche abgelöst. Welche Logik dahintersteckt, lässt sich nicht erkennen. Schön und wild gewachsen - das ist eben Istanbul, die Stadt, die von oben immer wieder anders aussieht. Vom beeindruckenden Galataturm sind Häuser mit halb eingestürzten Dächern und herausgeputzte Jugendstilbauten zu sehen. Ein Hund spaziert über das Dach einer selbst gezimmerten Hütte auf einer Dachterrasse, dahinter ragt majestätisch die Blaue Moschee auf.
Im "Yakup 2" (Asmalimescit Cd. 35/37) sind um 21 Uhr alle Tische besetzt. Das Restaurant ist bekannt für seine gute Küche und ein beliebter Treffpunkt unter Linksintellektuellen. Unter einem Dach aus Weinreben fällt die Entscheidung zwischen den vielen Vorspeisen schwer, die der Kellner auf einem Servierwagen präsentiert. Salat, eingelegte Paprika und Sardinen bilden heute Abend die Grundlage für den Raki. Auf dem Weg zum Live-Musikclub "Badehane" (General Yazgan Sk. 1d) läuft ein Huhn zwischen den Tischen eines Cafés entlang, in einer Gasse hängt ein Porträt von Marilyn Monroe an der Wand. Ständig entdeckt man das Unerwartete. Auf den ersten Blick wirkt Istanbul chaotisch wie ein Wühltisch, in Wirklichkeit folgt die Stadt einem Rhythmus, der niemals langweilig wird.
Hotel-Tipp: Eine der besten Aussichten auf Istanbul hat man vom Dach des Hotels "The Marmara Pera". Von hier aus blickt man bis zur Blauen Moschee und der Hagia Sofia. Tagsüber kann man sich im Pool vom Streifzug durch Istanbul erholen, am Abend eine Margarita an der Bar trinken oder im Restaurant "Mikla" türkisch-skandinavische Fusion-Gerichte essen. Tipp: ein Zimmer im oberen Stockwerk mit Blick auf das Goldene Horn buchen. Ist man in einer größeren Gruppe unterwegs, lohnt es sich, eine Wohnung zu mieten. (3DZ ab 100 Euro, Preise variieren je nach Hotelbelegung, www.themarmarahotels.com, Wohnungen: www.flatsinistanbul.com)
Aileen Tiedemann
Über die Autorin:
PRINZ-Redakteurin Aileen Tiedemann fühlt sich nach ihrer Rückkehr aus Istanbul wie auf dem Mond. So still kommt ihr Hamburg vor.
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