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FÜR FANS VON: "Spider-Man", "Hellboy", "X-Men" und dem letzten Bond-Film
Eisen mit Herz
Tony Stark ist Milliardär - und Superheld. Das ist für eine Figur aus dem Comic-Imperium von Marvel nichts Besonderes. Doch diese ist ganz anders: Sie kommt nicht aus dem Weltraum und sie hat keine übermenschlichen Kräfte. "Iron Man" ist ein ganz normaler Mensch in einem selbstgebauten Schutzanzug, der fliegen kann. Tony Stark's Superpower ist sein Verstand, und was ihn im Laufe der Handlung zu einem Helden mutieren lässt, ist eine Macht, die stärker ist als alle genetischen Codes: Gefühle.
Doch zu Beginn des Filmes ist Tony Stark nicht gerade das, was man sich unter einem edlen Menschenfreund vorstellt (und das sollte ein Superheld ja sein). Als Boss einer Rüstungsfirma, der immer einen Whisky in der Hand hat und reihenweise Frauen vernascht, die von seiner Assistentin Pepper am nächsten Morgen als "Abfall" entsorgt werden, ist er vielmehr ein echter Kotzbrocken. Allerdings einer, den man einfach gern haben muss. Denn dass unter der zynischen Fassade und hinter den braunen Augen in Wahrheit ein einsamer, sinnsuchender Typ steckt: das spüren von seiner treuen Assistentin bis hin zu den Robotern in seinem Genie-Labor wirklich alle - außer er selbst. Erst als er von afghanischen Terroristen - mit eben jenen Waffen, die er selbst hergestellt und verkauft hat - aus seinem alten Leben gebombt wird und sich plötzlich in einer versteckten Höhle in Gefangenschaft wiederfindet, beginnt seine Verwandlung. Der Rüstungs-Industrielle braucht nun selbst eine Rüstung: Um sich unverwundbar zu machen - und um sein von Metallsplittern in Mitleidenschaft gezogenes Herz zu schützen. Mit Hilfe eines Mitgefangenen, zu dem er Vertrauen und Freundschaft entwickelt, nimmt der Bau seiner eisernen Rüstung ebenso Gestalt an wie seine moralische Reifung. Als ihm schließlich die Flucht gelingt, ist mit "Iron Man" auch die Mission geboren, die Tony Stark von nun an umtreibt: Seine in die falschen Hände geratenen Waffen zu vernichten...
Was sich nun entwickelt, ist ein Heldenepos, das - trotz der phantastischen Effekte des knapp 190 Millionen Dollar teuren Films - weniger eine Materialschlacht für den klassischen Comicfan ist, sondern eine ebenso intelligente wie ironisch-witzige Abrechnung mit dem amerikanischen Heldentraum. Hier kann man deutlich die Handschrift von Marvel spüren, die die Nase voll hatten davon, wie ihre Helden von anderen Produktionsfirmen verbraten wurden, und nun erstmals selbst die Leinwand-Umsetzung eines ihrer Comichelden übernommen haben. Das zeigt sich auch bei der kompromisslos guten Besetzung: Robert Downey Jr., der selbst mit allerlei Exzessen und sogar Knastbesuchen eine ziemlich untypische Hollywood-Karriere hingelegt hat, ist für die Figur des nach sich selbst suchenden "Iron Man" die Idealbesetzung. Ebenso übrigens wie Jeff Bridges, der endlich mal einen Bösewicht spielen darf, und Gwyneth Paltrow, die dem Helden ganz handfest ans eiserne Herz geht und dafür sorgt, dass in diesem grandiosen Kinospektakel auch Gefühle nicht zu kurz kommen. Man muss also keine Superfähigkeiten haben, um vorauszusagen, dass dieser Held schnurstracks an die Spitze der Kinocharts fliegen wird.
Michael Schömburg




