kinoplaner


merken

Komödie / USA 2008

Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?

Im neuen Film der Coen-Brüder gehts um Erpressung, Orthopädie-Kissen, CIA-Daten und Schönheits-OPs.


Wertung

Meine Wertung

abstimmen

DER GROSSARTIGE DUFT VON SCHEISSE
"Was für ein riesengroßer Scheißhaufen!", brüllt der CIA-Chef. Und er hat verdammt recht. Denn der Bericht seines Untergebenen ist ungefähr so geordnet und überschaubar wie der Sommerschlussverkauf bei C&A. Ist aber auch gar nicht wichtig, wer sich am Ende tatsächlich - wie der deutsche Untertitel verspricht - die Finger verbrennt, wer wen beglückt oder betrügt, und was mit den mehr oder weniger brisanten Daten passiert, die der CIA, sagen wir: abhanden kommen. Denn das herrlich Verrückte am neuen Film der Brüder Joel und Ethan Coen ist, dass alles im heillosen Chaos, in einem, nun, riesengroßen Haufen Scheiße gipfelt - im ganz und gar positiven Sinne allerdings.
Vorbei ist's mit der staubigen Schwermut, mit der brutalen Gewalt, die ihren letzten Film, den Thriller "No Country For Old Men", prägten. In der Krimikomödie "Burn After Reading" kehren sie zum trockenen "Fargo"-Humor, zum lakonisch bizarren bis tief schwarzen Witz von "The Big Lebowski" zurück. Und sie versammeln ein begnadetes Komiker-Ensemble, in dem jeder seine famose Solo-Show bekommt - und in dem doch alle zusammen eine grandios witzige Vorstellung geben.
Die beginnt mit einem Rausschmiss: Balkanexperte und Fulltime-Loser Osborne Cox (John Malkovich), Träger des beknackten Spitznamens Ozzie und von seiner Frau nach Strich und Faden gehörnt, wird von seinem Arbeitgeber, der CIA, gefeuert. Denn Ozzie hat ein klitzekleines Problem - nicht mit Alkohol, aber ohne. Der treulosen Gattin kann Ozzie die Schmach auf keinen Fall gestehen, also behauptet er, er habe gekündigt, um seine Geheimdienst-Memoiren in einem Roman niederzuschreiben. Die CD mit den Daten dafür finden Linda Litzke (Frances McDormand) und Chad Feldheimer (Brad Pitt) wenig später im Umkleideraum des Fitnessstudios, in dem sie angestellt sind. Und wittern als Erpresser ihre Chance aufs ganz große Geld. Denn die dramatisch untervögelte Linda braucht dringend Kapital zur Komplettrenovierung ihres mittelalten Körpers, damit's endlich mal klappt mit einem ihrer Internet-Dates. Chad ist zwar von kindlicher Begeisterungsfähigkeit für den Handel mit Staatsgeheimnissen, leider jedoch ein wenig schlicht unterm strähnchenblondierten Pony. Und so setzt das naive Duo mit erfrischendem erpresserischem Dilettantismus jenes muntere Chaos in Gang, das dem CIA-Chef schließlich als besagter Scheißhaufen auf den Schreibtisch plumpst, sozusagen.
"Alle Figuren sind Schwachköpfe, aber dabei nicht unbedingt unsympathisch", stellen die Coen-Brüder klar. Und so gaben sie ihren Schauspielern die generelle Regieanweisung: "Lasst euren inneren Schwachkopf raus." Das tat ihr Personal dann auch mit offensichtlicher Spielfreude und oft in feinster Screwball-Manier. George Clooney etwa, der als nervöser Finanzbeamter Harry Pfarrer seinen Mitmenschen mit der paranoiden Angst vor Lebensmittelallergien auf die Nerven geht. In anderen zwischenmenschlichen Beziehungen sorgt er - genau wie Linda - für reichlich Verkehr in Internet-Kontakbörsen und auch in seinem nicht virtuellen Leben. Dabei schleppt er stets ein orthopädisches Keilkissen mit in fremde Lotterbetten, und er trägt mit seinen amourösen Eskapaden maßgeblich dazu bei, dass sich der Wirrwarr aus Affären, Scheidungen, Betrügereien und Liebeleien ebenso fidel verknotet wie das Daten-Debakel - und dem CIA-Chef schließlich ... na, Sie wissen schon.
Damit Dates und dilettantische Datendeals stilecht in die Hose gehen, sorgten die Brüder Coen aufmerksam dafür, dass ihre Darsteller herrlich bizarre Marotten und stets was Bemerkenswertes zum Anziehen hatten - niemals wirklich karnevalistisch, doch immer treffsicher am guten Geschmack vorbei. Sie hängten George Clooney ein albernes Macho-Goldkettchen um den Hals und zu hoch sitzende Grabbeltisch-Jeans über die Hüften. "Aber als ich sah, wie Brad Pitt in engen Elastan-Shorts herumhüpfte, wusste ich, dass bei mir alles in Ordnung war", witzelt Clooney. Allein den Herren von der CIA gönnten die Coens professionelle Limousinen, Büros und Anzüge. Die sie sich allerdings bald bekleckern. Sie ahnen, womit.
Christina Bednarz


Start: 02.10.2008, OT: Burn After Reading, Regie: Ethan Coen, Joel Coen, Darsteller: Brad Pitt, Frances McDormand, George Clooney u.a., 95 Min.
Fazit: Die Coen-Brüder in Bestform: Ihre schwarze Komödie ist ein skurriles Krimi- und Liebes-Verwirrspiel.
 
Share/Save/Bookmark


Userbeiträge
Userwertung
Programm